Faszination Orchideen

Die Orchidee – Wahre Königin der Blumen?

Orchideen gehören zu den artenreichsten Pflanzenfamilien. Über 1.100 Gattungen sind bisher bekannt. Diese prächtigen Pflanzen sind fast weltweit zu finden. Zu den Ausnahmen zählt die Antarktis.

Der Name dieser bemerkenswerten Pflanzen stammt aus dem Griechischen. Und zwar leitet sich Orchidee von dem Wort „Orchis“ ab, welches übersetzt Hoden bedeutet. Namenspate stand eine einheimische Orchideengattung, die Knabenkräuter, deren Wurzelknollen Hoden ähneln. So kam letztendlich die gesamte Pflanzenfamilie zu ihrem Namen.

Bei den bedecktsamigen Blütenpflanzen gehören Orchideen zur zweitgrößten Familie und zählen zur Klasse der einkeimblättrigen Pflanzen. Orchideen sind recht ausdauernde Pflanzen. Sie können wachsen, wachsen und wachsen. Nur wachsen sie unterschiedlich.

Sie können auf anderen Pflanzen wachsen, sich dabei aber völlig selbstständig ernähren. Orchideen sind damit keine Schmarotzer. Diese Orchideen werden den Epiphyten, den Aufsitzerpflanzen, zugerechnet. Über die Hälfte der tropischen Orchideenarten wachsen auf diese Weise und kommen daher mit unwirtlichen Bedingungen gut zurecht. Wer auf Baumkronen lebt, dem macht weder ein Mangel an Nährstoffen noch Wasserknappheit wirklich zu schaffen. Andere Orchideen wachsen auf der Erde und gehören so zu den terrestrischen Pflanzen. Die dritte Gruppe lebt auf Felsen und Steinen und wird somit als lithophytisch bezeichnet.

Weitere Unterscheidungskriterien bei Orchideen

Unterschieden werden können Orchideen zudem nach ihrem Habitus. Und zwar in monopodial wachsende und in sympodial wachsende Pflanzen. Erstere besitzen eine einheitliche Sprossachse, an der sich Verzweigungen befinden. Die Spitze wächst immer weiter. Bei den sympodial wachsenden Pflanzen ist das Wachstum der Spitzen begrenzt, die Verzweigungen bewirken ein nacheinander Wachsen der Sprossenglieder. Diese Art der Orchideen bilden die Pseudobulben aus. Diese verdickten Sprossteile können ein- oder mehrgliedrig sein und dienen zur Speicherung von Wasser und Nährstoffen.

Einige Orchideengattungen können zudem unterirdische Speicherorgane ausbilden. Bei den monopodial wachsenden Orchideen werden die Blätter als Speicherorgane genutzt, teilweise auch die Wurzeln. Dies sind die beiden häufigsten Habitus-Arten. Daneben gibt es noch einige seltene, die nicht in das Schema monopodial und sympodial passen. Es gibt unter anderem Arten der Pleurothallidinae, die eigentlich sympodial wachsen, aber keine Pseudobulben ausbilden. Dafür besitzen sie fleischige Blätter und stellen eine Art Mittelding zwischen beiden Arten dar.

Orchideen vereinen spezifische Merkmale

Wie jede Pflanzenfamilie besitzt auch die Orchidaceae, so die lateinische Bezeichnung für die Orchideengewächse, spezifische Merkmale. Dazu zählen: die spiegelsymmetrischen Orchideenblüten, die parallelnervigen Blätter, die winzigen Samen ohne eigenes Nährstoffgewebe, deren Keimung nur mit Hilfe bestimmter Bodenpilzen erfolgen kann sowie die Pollenkörner, die als Pollinium zusammenkleben. Diese Merkmale sind in der Pflanzenwelt natürlich nicht ungewöhnlich, nur kommen sie in ihrer Gesamtheit lediglich bei Orchideen vor.

Orchideen sind weltweit beheimatet – mit wenigen Ausnahmen

Orchideen sind auf fast allen Kontinenten zuhause. Nur die Antarktis bildet eine Ausnahme. Weder die klimatischen Bedingungen oberhalb des nördlichen Polarkreises noch die vorgelagerten Inseln des Südpols machen ihnen etwas aus. Insbesondere die Tropen und die Subtropen, vor allem in Südamerika und in Asien, sind bei vielen Orchideen ausgesprochen beliebt. Wüsten mögen sie wiederum nicht.

Die erste tropische Orchidee in Europa blühte im Jahr 1731. Ein Missionar brachte sie von den Bahamas mit. Aber erst rund ein Jahrhundert später wurde intensiv nach diesen farbenprächtigen Pflanzen gesucht. So kamen die ersten Orchideen zu Beginn des 19. Jahrhunderts quasi als Verpackungsmaterial für andere tropische Pflanzen nach Europa. Die merkwürdigen Pflanzenteile erregten die Aufmerksamkeit des britischen Gärtners und Pflanzenimporteurs William Cattley. Er topfte die Pflanzenteile einfach ein. Die Orchideengattung, die daraus erwuchs, wurde fortan Cattleya getauft.

Diese Entdeckung gilt als der Ursprung für die so genannte Orchideenjagd. Unzählige Mitarbeiter von Gärtnereien reisten in die tropischen Regionen Amerikas, Asiens und Afrikas. Dort fanden sie immer wieder neue Arten, sammelten diese und trieben wahren Raubbau an den Originalwachstumsorten. Der Handel mit den Wildpflanzen ging mehr und mehr zurück, sobald Züchter in der Lage waren Pflanzen selbst nachzuzüchten.

Über 30.000 verschiedene Wildarten bekannt – stehen unter Artenschutz

Zudem gibt es rund 150.000 Kreuzungen, die unter der Bezeichnung Hybride laufen. Natürlich werden nach wie vor noch neue Orchideenarten entdeckt. Die wild wachsenden Orchideen unterliegen heute dem Artenschutz. Mittlerweile versuchen Gärtner und Züchter hauptsächlich den bestehenden Artenreichtum zu sichern und die Pflanzen gezielt zu vermehren.

Orchideen werden hauptsächlich als Zierpflanzen gehalten, sie sind aber auch Nutzpflanzen. Dazu zählt die wohl bekannteste Nutzorchidee, die Vanille, deren botanischer Namen Vanilla planifolia lautet. Aus der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie ist diese ganz bestimmt nicht mehr wegzudenken. Einige Orchideenarten dienen zur Aromatisierung von Tabak, Tee oder Parfüm.

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